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Roman Lesch - Outdoor Team Westerwald Drucken
Montag, den 21. Juli 2008 um 17:57 Uhr
First Class 3/2004
Interview mit , Outdoor Team Westerwald

Roman LeschSpannende Abenteuer statt öder Routine


Roman Lesch in Aktion In den Höhenlagen des Westerwalds verhelfen Profis mitten in der Natur Teams zu Spitzenleistungen, Managern zu neuen Qualitäten und Personal zu frischer Motivation. Denn das Aktionsfeld Natur in Kombination mit echten, körperlichen Herausforderungen schafft Persönlichkeitsentwicklungen, die im Alltag nicht zu realisieren wären. Hier entstehen Konsens statt Strebertum und Synergien statt Reibungsverluste.
Wir sprachen mit Roman Lesch, Inhaber des Unternehmens Outdoor Team Westerwald (www.outdoor-team-westerwald.de ), das - als Partner und in Zusammenarbeit mit dem Lindner Hotel & Sporting Club Wiesensee in Westerburg - Teamtrainings in freier Natur anbietet.

 
Fragen:

FC: Herr Lesch, wie kamen Sie dazu, Trainings für Führungskräfte und Teams in freier Natur durchzuführen und seit wann bieten Sie diese – in Zusammenarbeit mit dem Lindner Hotel & Sporting Club Wiesensee - an?

„Zum Outdoor-Trainer wurde ich auf Umwegen. Nachdem ich mich als Dipl.-Fitnesslehrer 1989 selbständig gemacht hatte, bot sich die Möglichkeit, 1997 zusammen mit meinem Trainerteam eine Ausbildung zum Hochseilgarten- und Team-Trainer zu absolvieren. Dieser Bereich hatte mich schon immer fasziniert, also habe ich die Gelegenheit genutzt.
Die Zusammenarbeit mit dem Lindner Hotel besteht seit Herbst 1998. Es war einfach der Bedarf da, und ich war vor Ort. Mein Partner ist ein Tagungshotel der gehobenen Klasse, das vorwiegend von Führungskräften aus Industrie und Wirtschaft genutzt wird. Um Führungsqualitäten und die Fähigkeit, Teams zu bilden, zu vermitteln, wurde gemeinsam der Outdoor-Trainingsbereich konzipiert. Hintergrund ist die Erlebnispädagogik: Es wurde die Erfahrung gemacht, daß Menschen ihr Verhalten schneller und besser aufgrund von Erlebnissen in der freien Natur ändern. In völlig ungewohnter und nicht alltäglicher Umgebung, und in Situationen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Alltag zu tun haben, werden Teilnehmer aus ihrem gewohnten Bereich, der sog. „Komfortzone“ herausgezogen und vor neue, ungewohnte Aufgaben gestellt.“

FC: Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Ihren Kursen an? Wer nimmt hauptsächlich daran teil?

„Zunächst einmal sind dies Führungskräfte und Abteilungsleiter, also Mitarbeiter, die firmenintern gefördert werden und bereits in Führungspositionen sind oder diese anstreben. Es gibt aber auch komplette Abteilungen oder Planungsgruppen, die, um ein besseres Miteinander im Alltag zu gewährleisten, diese Outdoor-Teamschulungen buchen: Teambuilding, Teamoptimierung, Neuaufstellen des Teams (z.B. bei Firmen-Fusionen oder einfach bei ineffizienter Arbeitsweise einzelner Abteilungen bzw. interdisziplinär). Wir arbeiten beispielsweise mit Teams aus dem Bankenwesen, der Pharma, der Chemie und auch mit Bundesliga-Teams zusammen. Wir unterstützen durch unsere Maßnahmen auch firmeninterne Schulungen und Workshops.“

FC: Mit welchen Hilfsmitteln arbeiten Sie und wie muss man sich den Ablauf eines typischen Outdoor-Trainings, z.B. im Hochseilgarten, vorstellen?

„Hilfsmittel sind natürlich erstmal die hoteleigene Hochseilgarten-Anlage auf 12m Höhe mit Kletterwand und Pamper Pole - zur Unterstützung von Führungskräfte-Entwicklungen und zur Förderung von Kommunikation, Vertrauen und Kooperation. Dazu kommt unser Teamparcours mit den Niederseilelementen als Teambuilding-Instrument. Auf Wunsch werden auch individuelle Outdoor-Parcours zusammengestellt, z.B. mit Floßbau oder Funkleitnavigation.
Die komplette Anlage ist übrigens vom TÜV Rheinland auf Sicherheit geprüft und zertifiziert.

An erster Stelle steht in jedem Fall das persönliche Gespräch mit dem Auftraggeber: Welches Ziel soll mit der Übung erreicht werden? Dem folgt das persönliche Gespräch mit den Teilnehmern selbst vor Ort: Was erwartet sie, was sind die Regeln. Wichtig ist: Die Teilnehmer entscheiden immer selbst, wie weit sie sich in den Prozeß einlassen – jeder kann jederzeit aussteigen! Und natürlich: Die Sicherheit steht immer im Vordergrund – auch hierfür gibt es klare Regeln.

Der Hochseilgarten wird üblicherweise in Zweier-Teams durchgeführt, um zu lernen, Entscheidungsprozesse in emotionaler Anspannung (Streß) besser ablaufen zu lassen (vier Augen sehen mehr als zwei). Und: Jeder ist für den Partner mit verantwortlich!

Im Teamparcours muß das Team als Gesamtes Aufgaben lösen – sich organisieren, Strategien entwickeln, Ressourcen verteilen, auf die Schwächeren Rücksicht nehmen, auf das Timing achten usw. Also eigentlich alle Fähigkeiten nutzen, die auch im Alltag bei Projektarbeit im Team anstehen. Genutzt werden immer Übungen, die keinerlei Vorerfahrung bei den Teilnehmern voraussetzen – z.B. Brückenbau, Schluchtüberquerung. So hat jeder die gleichen Voraussetzungen zu Beginn der Übung. Diese Aufgaben sind immer lösbar – wie schnell und wie gut, das liegt allein beim Team.

Nach durchgeführter Übung erfolgt immer eine Reflektion, bei der die gewonnenen Erkenntnisse ausgetauscht werden. Dabei wird der Bogen geschlagen zum Verhalten im Alltag und als Erkenntnis für die nächste Übung – und natürlich für den Alltag - mitgegeben.“

FC: Was ist das Besondere an Ihrem Training? Welchen Nutzen bzw. welche Lern-Effekte können die Teilnehmer daraus ziehen?

„Die Teilnehmer können aus den gewonnenen Einsichten im Hochseilgarten auch in Streß-Situationen schneller und bessere Entscheidungen treffen, weil sie gelernt haben, Emotionen auszublenden und rationell zu entscheiden.
Nach dem Teamparcours hat sich gezeigt, daß Teamprozesse besser ablaufen – schneller und effektiver. Führungskräften und Personalentwicklern bietet die Beobachtung der Teamparcours-Übungen die Möglichkeit, ihr Team besser kennenzulernen und einzelne Mitarbeiter effektiver einzusetzen bzw. deren Fähigkeiten zu erkennen und gezielt zu fördern.“

FC: Wo sehen Sie hauptsächlich Defizite in der Führungskompetenz von Managern, die an Ihren Trainings teilnehmen?

„Viele Manager sind hochqualifiziert in ihrem Bereich, weisen aber zwischenmenschliche Defizite auf – in der Kommunikation, im Ausdruck, in der Wertschätzung Anderer, im Miteinander, und in der Unfähigkeit, Andere zu motivieren. Teilweise sind sie einfach zu schnell und vergessen dabei, ihre Mitarbeiter „mitzunehmen“ – diese verlieren den Anschluß und sind somit vom Schaffensprozeß ausgeschlossen. Ihr kreatives Potential kann nicht mehr angezapft werden.
Unser Ziel ist es, dies aufzuzeigen und den Prozeß umzukehren, indem Lösungen trainiert werden.“

FC: Beobachten Sie Zusammenhänge zwischen der körperlichen Fitness von Teilnehmern und deren speziellen Führungsqualitäten im Team?

„Nein. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Jeder kann Team- und Führungsqualitäten lernen, wenn er dazu bereit ist.
Zu erkennen ist allerdings, daß immer mehr Führungskräfte körperlich sehr fit sind und in ihrer Freizeit Kraft- und Ausdauertraining betreiben – als Ausgleich, um Streß abzubauen, und um für ihre Aufgaben körperlich und geistig volle Leistungsfähigkeit bereitstellen zu können.“

FC: Inwiefern glauben Sie, dass durch die physischen und psychischen Erlebnisse in Ihrem Training auch langfristige Erfolge hinsichtlich des Führungspotenzials von Managern erzielt werden können?


„Unser Training ist nicht als einmalige Maßnahme zu sehen – und es ist kein Allheilmittel. Wir können erstmal nur bewirken, daß ein Lernprozeß angestoßen wird. Es ist danach jeder selbst aufgefordert, die gewonnenen Erkenntnisse auch umzusetzen, um die gewonnen Fähigkeiten nicht wieder zu verlieren – also z.B. die Integration aller Mitarbeiter des Teams in den laufenden Prozeß auch durchzuführen. Und es ist der Auftraggeber bzw. Arbeitgeber gefragt, dies in die Firmenkultur zu integrieren, es auch vorzuleben und das gelegte Fundament ggfs. durch Follow-ups zu festigen. Ansonsten setzt mit Alltag und Routine auch schnell wieder der Rückfall in alte Verhaltensmuster ein.“
 

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